Konfirmanden sprechen mit Senioren über das Leben

- 29.01.2025 - 

Mit dem „lebendigen Geschichtsunterricht“ bringt das Projekt der Melanchthongemeinde verschiedene Generationen zusammen.

Von Amira Sanli. Miteinander ins Gespräch kommen und sich über das Leben und den Glauben austauschen: Das ist das Ziel des generationenübergreifenden Projekts der Melanchthongemeinde aus Rohrbach. An sechs Terminen treffen sich dafür die 37 Konfirmandinnen und Konfirmanden mit Bewohnerinnen und Bewohnern der Seniorenheime Maria-von-Graimberg-Haus und Agaplesion-Bethanien-Lindenhof.

Zwei junge Leute sitzen am Tisch mit einer Seniorin und einem Senior
An sechs Terminen treffen sich die 37 Konfirmanden der Melanchthon-Gemeinde mit Senioren.

"Die Idee dahinter war, eine Begegnungsmöglichkeit zu schaffen und die verschiedenen Altersstufen einer Gemeinde zusammenzubringen", erzählte Pfarrerin Tanja Dittmar, die das Projekt ins Leben gerufen hat. "Die Konfis können hier von anderen hören, was für eine Rolle der Glaube im Leben spielen kann und auch, dass es normal ist, mal zu zweifeln." Solche Gespräche seien viel lebensnäher als der normale Konfirmationsunterricht. "Das hat eine ganz andere Tiefe", so Dittmar.

Beim letzten Treffen lautete das Thema "Lebenswege". So berichteten die Bewohner von den schönsten Erlebnissen in ihrem Leben, erzählten von ihrer Kindheit und ihrem Berufsleben, sprachen aber auch davon, was sie vielleicht in ihrem Leben bereuen. "Ich hatte ein sehr schönes Leben", erzählte ein 95-jähriger Bewohner. Das Wichtigste sei gewesen, dass er eine gute Ehe mit seiner Frau führen konnte und die gemeinsamen Kinder gut aufgewachsen sind. "Das war wichtig für unsere Familie."

Im Nachbarraum erzählte ein Ehepaar den Jugendlichen von ihrem Leben in der DDR. So habe das Ehepaar damals elf Jahre lang auf einen Trabi gewartet. "Das ist lebendiger Geschichtsunterricht", fasst Ilse Wahl, eine der Sozialbetreuerinnen, zusammen. Die Konfirmandin Anna erzählte, dass sie es besonders spannend findet, wenn die Senioren von der Zeit des Zweiten Weltkriegs berichten. "Es ist interessant zu erfahren, wie das damals war. Sie erzählen Details oder zum Beispiel über die Hungersnot, das ist wichtig zu wissen", so Anna. Aber nicht nur Trauriges wird berichtet. "Mir hat eine Seniorin erzählt, dass ihr erster Gedanke war, als im Zweiten Weltkrieg ihre Schule abgebrannt ist: Juhu, keine Schule mehr!", beschrieb die Konfirmandin Johanna. "Das fand ich schon lustig." Die 14-Jährige findet das Projekt eine gute Erfahrung. "Es ist schön, mehr über die älteren Leute zu erfahren und die Unterschiede zwischen damals und heute zu sehen."

Auch Henry findet das Projekt gut. "Ich habe mir nicht vorgestellt, während dem KonfiUnterricht so etwas zu machen", erzählte der 13-Jährige. Stattdessen habe er erwartet, nur über Religion zu lernen. "Das ist mal was Neues." Und der 14-jährige Frieder berichtet: "Es ist spannend, was die Senioren sagen und ihre Geschichten zu hören." Auch die Senioren finden das Projekt gelungen. So erklärt eine 90-jährige Bewohnerin: "Ich finde es sehr interessant zu hören, was die Jugendlichen machen und vor allem, wie sie es machen." Susanne Wolf vom Agaplesion-Bethanien-Lindenhof berichtete, dass die Bewohner froh sind und sich freuen, wenn die Konfirmanden wieder kommen. "Es ist schön, junge Leute im Haus zu haben."

Pfarrerin Dittmar freut sich, dass das Projekt bei allen Beteiligten gut ankommt. "Ich habe auch schon mit Eltern gesprochen, die erzählt haben, dass die Gespräche daheim weiter gehen." Die Kinder berichteten von dem Erlebten und würden so die Geschichten der Senioren weitergeben.

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung vom 29.1.2025