Geboren wurde er am 7. August 1900 in Hohensachsen (heute Teil von Weinheim) als Sohn des Pfarrers Karl-Friedrich Däublin. Er wuchs dort in der kurpfälzisch-reformierten Tradition auf, besuchte das Realgymnasium in Weinheim und studierte im Anschluss an den Universitäten in Leipzig, Erlangen und Heidelberg Theologie. Nach dem Abschluss des Studiums wurde er im Oktober 1926 Vikar in Rippenweier (südöstlich von Weinheim, heute Stadtteil). Im April 1929 wurde er dort Gemeindepfarrer und blieb dies bis zum Oktober 1938. Sein Amt wollte er allerdings schon im Februar 1937 in Anbetracht massiver Anfeindungen seitens der dort aktiven Nationalsozialisten (siehe Texte im Kästchen) niederlegen.
Brief Pfarrer Däublins an den Dekan, 23. Februar 1937:
Lieber Dekan! Für Deine Zeilen betr. Amtsniederlegung danke ich sehr. Ich bin nun allerdings bald der Ansicht, dass man die Dinge laufen lassen muss, wie sie wollen. […] Bei uns ist Russland. […] Es wird doch Zeit, dass man seine Zelte hier abbricht. Dies schreibt Dir der noch junge und doch manchmal müde Pfarrer aus dem Odenwald.
Am 27. November 1928 heiratete er in Heiligkreuz Flöry Bender, die der kleinen reformierten Gemeinde in Leipzig angehörte und die er dort während seines Studiums kennengelernt hatte. Im Juni 1938 bewarb Däublin sich um die Pfarrstelle hier in Rohrbach. Er wurde gewählt und trat das Amt am 1. November 1938 an. Seine Antrittspredigt hielt er am 6. November über Röm 1, 16: Ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben, die Juden vornehmlich, und auch die Griechen.
Aus dem offenen Brief der NSDAP, Stützpunkt Oberflockenbach Anfang 1937:
Wer im Freiheitskampf abseits stand und immer nur kleinliche Kritik übte, wer immer von einem Götzenkult
sprach, wenn von der Verehrung des Führers durch die deutschen Volksgenossen die Rede war, […] und sich als als Wortführer des demokratisch-liberalistischen System aufspielte, hat kein Recht, heute ein Wort in Dingen [sc. der Bürgermeisterwahl] mitzureden…
In der Nacht vom 9./10. November 1938 wurde die Synagoge an der Rathausstraße verwüstet. Am darauffolgenden Sonntag hielt er eine Predigt über das Gleichnis vom Schalksknecht (Mt 18, 21–35). Ob er dabei auf das schlimme Geschehnis eingegangen ist, ist den Akten nicht zu entnehmen, und Zeitzeugen gibt es wohl fast keine mehr.
Am 10. November erhielten Pfarrer Däublin und der Kirchgemeinderat eine von Dr. Strittmatter unterzeichnete (und wohl auch verfasste) freundlich formulierte Eingabe mit der Bitte um Überlassung der Kirche und anderer kirchlicher Räumlichkeiten der Gemeinde zur zeitweisen Benutzung durch die Rohrbacher Deutschen Christen. Der Kirchgemeinderat antwortete am 18. November, die Kirche könne den nationalsozialistisch orientierten Gemeindegliedern zu gewissen Zeiten zur Verfügung gestellt werden, das Gemeindehaus hingegen in Anbetracht der hohen Auslastung nicht.
Am 30. Mai 1939 wandte sich Rolf Müller namens der Rohrbacher Deutschen Christen in verändertem Tonfall an Pfarrer Däublin. Müller verwahrte sich gegen die Angriffe auf Angehörige der Deutschen Christen. Er legte dem Brief eine siebzig Namen umfassende Minderheitenliste
bei. Dreizehn Namen auf der Liste wurden nachträglich durchgestrichen (wegen irrtümlicher Unterzeichnung und auch Umbesinnung).
Beinahe wäre Pfarrer Däublin nach der militärischen Musterung im August 1940 eingezogen worden. Den Deutschen Christen wäre dies wohl durchaus recht gewesen. Die treibende Kraft in dieser Angelegenheit war der Ziegelhäuser Pfarrer Schenk. Der Oberkirchenrat stellte sich aber am 5. Juni 1941 klar hinter Pfarrer Däublin und den Rohrbacher Kirchgemeinderat, dem übrigens seit dem Ausscheiden von drei mehr oder weniger nationalsozialistisch orientierten Mitgliedern im Jahr 1935 keine explizit den Deutschen Christen zuzurechnenden Personen mehr angehörten.
Über die Schwierigkeiten, die sich in den Jahren 1938–1945 und in den ersten Jahren nach dem Krieg ergaben (u. a. im Bereich der Diakonie und des Kindergartens), wurde im Gemeindebrief Nr. 240 im Artikel über die Kindergartenschwester Paula Heck berichtet.
Auch die Jahre nach dem Krieg waren alles andere als einfach für Pfarrer Däublin und die Gemeinde. Es galten nun die recht strengen Bestimmungen der Alliierten. Manche Familien hatten Verluste (Gefallene, Kriegsgefangene und Vermisste) zu beklagen und litten nicht selten auch materielle Not, nicht zuletzt waren dies die zahlreichen Flüchtlinge aus den Ostgebieten des Deutschen Reichs.
Die evangelische Rohrbacher Gemeinde (und mehr noch die römisch-katholische Gemeinde) wuchs in den Jahrzehnten nach dem Kriegsende beständig.
Am 24. April 1957 wurde im Gasthof Hirsch unter großer Beteiligung der Evangelische Männerverein neu gegründet. Dieser war 1935 im Zuge der verordneten Gleichschaltung
aufgelöst worden. Erster Vorsitzender des zu neuem Leben erweckten Männervereins wurde Dr. Wilhelm Kaltschmidt, zweiter Vorsitzender Emil Leibbrand. Pfarrer Däublin wurde Mitglied des Vorstands.
Thomas Wilhelmi