4. Ökumenisches Gemeindefest – Alle in (s)einem Boot

- 30.09.2019 - 

Aus dem katholischen Pfarrbrief

Am 13. Oktober wurde in der Eichendorffhalle das 4. Ökumenische Gemeindefest in Rohrbach gefeiert. Seit 2013 richten die Melanchthongemeinde, die Gemeinde von St. Thomas und von St. Johannes alle zwei Jahre ein solches gemeinsames Fest aus, diesmal unter dem bewusst schillernden Motto Alle in (s)einem Boot.

Vor solch einer Veranstaltung gibt viel zu planen und zu organisieren. Am Ende, wenn sie vorüber ist, fragt man sich natürlich, hat sich die Mühe gelohnt? Woran erkennt man aber, dass ein Fest gelungen ist? Dass es reibungslos über die Bühne ging? Dass das Programm gefallen hat? Dass jede Menge Gäste begrüßt werden konnten? Ja auch, aber… ruft die Tageslosung vom 18. Oktober dazwischen:

Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist. (Römer 14,17)

Ja, wir haben zusammen gegessen, getrunken und gefeiert. Und weiter? Im Trubel des Geschehens konnte man schon hören: Das habt ihr gut gemacht!

Was meinst Du? Was haben wir gut gemacht?

Na, das mit dem Mittagessen, dem Bezahlen und so...

Es fühlt sich wie in einer Familie an.

So einfach!

Wirklich gut!

Unsere Gemeinschaft – ein Geschenk

Die Idee einer solidarischen Kasse war ein Wagnis. Wir können dankbar sein für den Mut des Vorbereitungsteams, dass es sich auf das Experiment eingelassen und konsequent gemäß dem Motto Alle in seinem Boot umgesetzt hat. Es sollte kein übliches Bezahlen nach Preisliste geben. Jeder sollte für sich selbst entscheiden, welcher Betrag für Mittagessen, Getränke, oder Kaffee und Kuchen angemessen ist. Damit musste jeder im Grunde drei Fragen beantworten: Welcher Preis ist für das Essen angemessen? Was ist für mich angemessen? Bin ich bereit mehr zu geben, um anderen zu ermöglichen, ihrer persönlichen Situation nach angemessen zu bezahlen? Nur für die erste Frage gab es durch die auf Plakaten veröffentlichten Einkaufspreise eine Orientierungshilfe. Die Antwort auf die Fragen erforderte dann von jedem eine konkrete Entscheidung für sich selbst und für den Nächsten. So konnte sich jeder unmittelbar in solidarischem Handeln einüben und dadurch gleichzeitig in der Gemeinschaft wiederfinden. Genau darin unterschied sich das Fest von vielen anderen. Es ging eben nicht nur darum, was das Festprogramm an Unterhaltung zu bieten hatte und ob das Essen schmeckte, sondern es ging konkret um den Auftrag und das Programm Jesu: Teilhabe ermöglichen, Gerechtigkeit walten und den Frieden finden.

Unsere Umwelt – ein Geschenk

Das Festmotto Alle in einem Boot kann man auch übersetzen mit fair.nah.logisch. Dadurch angeregt setzte das Vorbereitungsteam bewusst einen weiteren Schwerpunkt für das Fest. Wir können nicht die Bewahrung der Schöpfung von der Kanzel predigen, und dann billigen, importierten Orangensaft in der Einwegverpackung vom Discounter einkaufen, um einen vermeintlich zu erreichenden Gewinn beim Fest zu erwirtschaften. Diesem Auftrag versuchte man bei der Organisation in einem ersten Ansatz zu folgen, und Lebensmittel und Getränke unter den Gesichtspunkten: regional (kurze Transportwege und nahe Erzeuger), biologisch (gesunde Lebensmittel) und fair (angemessener Preis), einzukaufen und anzubieten. Das ist sicher noch nicht im vollen Umfang gelungen, aber ein Anfang ist gemacht und damit ein sichtbares, zum Weiterdenken anregendes Zeichen für alle Besucher gesetzt.

Unsere Kinder – ein Geschenk

Das Fest öffnete Raum und Zeit für Begegnungen, für Gespräche und den Austausch mit anderen. Diese Gelegenheit wurde reichlich genutzt. Besonders froh dürfen wir über die mehr als 35 Kinder sein, die beim Fest dabei waren, die fröhlich miteinander gespielt haben und die, wie die Erwachsenen ihren Spaß an den vielfältigen Angeboten hatten. Dass es unseren Kirchen an Nachwuchs mangelt, konnte man an diesem Nachmittag nicht erkennen.

Vaterunser – ein Geschenk

Im Gottesdienst zu Beginn des Festes und bei der Taizé-Andacht am Ende des Tages hörten wir gemeinsam Sein Wort, wir beteten miteinander das Vaterunser und wir sprachen uns einander den Frieden zu. Und wir teilten geschwisterlich, was wir zu Essen und Trinken hatten. So wurde ein Stück der gebotenen Einheit unter uns Christen sichtbar. Bleibt zu wünschen, dass dies noch umfassender möglich wäre, und die Erkenntnis bei allen wüchse, dass uns mehr eint, als uns trennt.

Unser Tun – ein Geschenk

Inzwischen sind viele positive Rückmeldungen zum Ablauf des Festes eingegangen. Dieses Lob soll hiermit an alle weitergeben werden, die zum Gelingen in vielfältiger Weise beigetragen haben. Jeder Beitrag, jede helfende Hand, alle Ideen, jegliche Mühen, die ins Fest gesteckt worden sind, ist im Zusammenspiel zu einem wundervollen Geschenk und Zeugnis zugleich geworden.Frank Spiller