3. Ökumenische Kreuzwegandacht
19. März 2020
Zu den Kreuzwegandachten können wir wegen des Coronavirus nicht zusammenkommen. Aber wir können die vorbereiteten Texte zumindest lesen, für uns allein oder im häuslichen Kreis. Auf diese Weise können wir in Gedanken zur Andacht zusammenkommen.
Psalm 38 (Der dritte Bußpsalm)
2HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn
und züchtige mich nicht in deinem Grimm!
3Denn deine Pfeile stecken in mir,
und deine Hand drückt mich.
4Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe wegen deines Drohens
und ist nichts Heiles an meinen Gebeinen wegen meiner Sünde.
5Denn meine Sünden gehen über mein Haupt;
wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden.
6Meine Wunden stinken und eitern
wegen meiner Torheit.
7Ich gehe krumm und sehr gebückt;
den ganzen Tag gehe ich traurig einher.
8Denn meine Lenden sind ganz verdorrt;
es ist nichts Gesundes an meinem Leibe.
9Ich bin matt geworden und ganz zerschlagen;
ich schreie vor Unruhe meines Herzens.
10Herr, du kennst all mein Begehren,
und mein Seufzen ist dir nicht verborgen.
11Mein Herz erbebt, meine Kraft hat mich verlassen,
und das Licht meiner Augen ist dahin.
12Meine Lieben und Freunde scheuen zurück vor meiner Plage,
und meine Nächsten halten sich fern.
13Die mir nach dem Leben trachten, stellen mir nach; /
und die mein Unglück suchen, bereden, wie sie schaden wollen;
sie sinnen Arges den ganzen Tag.
14Ich bin wie taub und höre nicht,
und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht auftut.
22Verlass mich nicht, HERR,
mein Gott, sei nicht ferne von mir!
23Eile, mir beizustehen,
Herr, meine Hilfe!
Johannes 18, 1–27
1Als Jesus das geredet hatte, ging er hinaus mit seinen Jüngern über den Bach Kidron; da war ein Garten, in den gingen er und seine Jünger. 2Judas aber, der ihn verriet, kannte den Ort auch, denn Jesus versammelte sich oft dort mit seinen Jüngern. 3Als nun Judas die Schar der Soldaten mit sich genommen hatte und Knechte der Hohenpriester und Pharisäer, kommt er dahin mit Fackeln, Lampen und mit Waffen. 4Da nun Jesus alles wusste, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus und sprach zu ihnen: Wen sucht ihr? 5Sie antworteten ihm: Jesus von Nazareth. Er spricht zu ihnen: Ich bin's! Judas aber, der ihn verriet, stand auch bei ihnen. 6Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bin's!, wichen sie zurück und fielen zu Boden. 7Da fragte er sie abermals: Wen sucht ihr? Sie aber sprachen: Jesus von Nazareth. 8Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt: Ich bin's. Sucht ihr mich, so lasst diese gehen! 9Damit sollte das Wort erfüllt werden, das er gesagt hatte: Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast. 10Nun hatte Simon Petrus ein Schwert und zog es und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus. 11Da sprach Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater gegeben hat? 12Die Schar aber und ihr Oberst und die Knechte der Juden nahmen Jesus und banden ihn 13und führten ihn zuerst zu Hannas; der war der Schwiegervater des Kaiphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war. 14Kaiphas aber war es, der den Juden geraten hatte, es wäre gut, ein Mensch stürbe für das Volk. 15Simon Petrus aber folgte Jesus nach und ein anderer Jünger. Dieser Jünger war dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus hinein in den Palast des Hohenpriesters. 16Petrus aber stand draußen vor der Tür. Da kam der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, heraus und redete mit der Türhüterin und führte Petrus hinein. 17Da sprach die Magd, die Türhüterin, zu Petrus: Bist du nicht auch einer von den Jüngern dieses Menschen? Er sprach: Ich bin's nicht. 18Es standen da aber die Knechte und Diener und hatten ein Kohlenfeuer gemacht, denn es war kalt, und sie wärmten sich. Aber auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich. 19Der Hohepriester befragte nun Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. 20Jesus antwortete ihm: Ich habe frei und offen vor aller Welt geredet. Ich habe allezeit gelehrt in der Synagoge und im Tempel, wo alle Juden zusammenkommen, und habe nichts im Verborgenen geredet. 21Was fragst du mich? Frage die, die gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe. Siehe, sie wissen, was ich gesagt habe. 22Als er so redete, schlug einer von den Dienern, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und sprach: Sollst du dem Hohenpriester so antworten? 23Jesus antwortete ihm: Habe ich übel geredet, so beweise, dass es übel ist; habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich? 24Und Hannas sandte ihn gebunden zu dem Hohenpriester Kaiphas. 25Simon Petrus aber stand da und wärmte sich. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht einer seiner Jünger? Er leugnete aber und sprach: Ich bin's nicht. 26Spricht einer von den Knechten des Hohenpriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sah ich dich nicht im Garten bei ihm? 27Da leugnete Petrus abermals, und alsbald krähte der Hahn.
Angedacht
Was haben sie eigentlich gegen Jesus? Warum wollen sie ihn unbedingt aus dem Weg schaffen? Adam Hamilton, dessen Buch 24 Stunden. Der Tag, der die Welt veränderte
wir gerade gemeinsam lesen, schreibt dazu: Sie haben Angst. Angst vor Krise und Chaos. Und wohl auch Angst vor dem Verlust der eigenen Macht. In dem Rat des Kaiphas spiegelt sich diese Angst wider: Es ist besser, ein Mensch stirbt für das Volk, - als dass sie alle sterben. Denn wenn es Aufruhr gäbe, wären die Römer gezwungen, einzugreifen und diesen Aufruhr blutig niederzuschlagen. So hatte er das gemeint. Angst spielt in diesem Abschnitt eine große Rolle. Die schwer bewaffneten Soldaten haben Angst. Jesus sagt nur: Ich bin's!
- Ich bin der, den ihr sucht, - da fallen sie um und stürzen übereinander, - Komik des Augenblicks in einer ernsten Situation.
Angst prägt auch das Verhör Jesu, denn im Grunde wissen sie, dass sie nichts gegen Jesus in der Hand haben. Und aus der Angst wird Hass, der sich in Schlägen und Misshandlungen entlädt. Angst prägt aber auch das Verhalten der Jünger: Hatte Jesus frei und offen geantwortet Ich bin's!
- tut Petrus das glatte Gegenteil, - er antwortet der Magd: Ich bin's nicht!
- Und verleugnet seinen Freund und Herrn, wie der es angekündigt hatte. Und Jesus selbst: Er wird im Johannesevangelium gezeichnet als souveräner Herr. Er stellt sich schützend vor die Jünger: Sucht ihr mich, so lasst diese gehen!
Er nimmt die Situation, das bevorstehende Leiden und Sterben, ganz bewusst an: Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater gegeben hat?
Er weiß: Es ist der Weg Gottes. Es ist der Kelch des Vaters. Und so ist sein Ich bin's
doch viel mehr als nur das Vordergründige: Ich bin der, den ich sucht. Es schwingt darin mit der alttestamentliche Gottesname: Ich bin
. Stolz und aufrichtig antwortet er auf die Fragen des Verhörs: Ich habe frei und offen vor aller Welt geredet. Ich habe allezeit gelehrt in der Synagoge und im Tempel, wo alle Juden zusammenkommen, und habe nichts im Verborgenen geredet.
Wie viel Angst steckt in mir? Wo leitet sie mich in meinen Entscheidungen? Und wo schlägt sie um in Hass, so dass ich um mich schlage, wo ich lieben sollte?Stefan Förster
Gebet
Herr, du kennst mein Herz, du kennst meine Angst. Diese Zeiten machen Angst. Und die Angst lässt verstummen, vereinzelt, isoliert. Herr, hilf, dass die Angst nicht übermächtig wird. Nicht unser Verhalten bestimmt. Lass uns auf dich schauen: Du bist stärker als der Tod, stärker als alle Feinde, stärker als die Angst. Bewahre uns davor, dass wir dich verraten, verleugnen, in unseren Worten und Taten. Bewahre uns davor, auf einander einzuschlagen, weil jeder in seiner Angst nur noch sich selbst der Nächste ist. Schenke uns Zuversicht, heile die Kranken, gib Kraft allen, die helfen, und lass uns einander zugewandt bleiben.
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.